Die Gemeinwohl-Ökonomie - Im Gespräch mit Christian Felber, Johannes Gutmann, Aleksandra Pawloff, Marie Ringler und Heini Staudinger

Ein Wirtschaftsmodell für die Zukunft mit neuen Werten für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?
Europa und Internationales • Umwelt und Infrastruktur • Wirtschaft und Arbeit
Wien
BSA Döbling
BSA Alsergrund
BSA Penzing
BSA Rudolfsheim-Fünfhaus
Gesellschaft für Geistes- und Sozialwissenschaften
Vereinigung sozialdemokratischer Angehöriger in Gesundheits- und Sozialberufen
Vereinigung Sozialdemokratischer Universitäts- und FachhochschullehrerInnen
Thursday,
25
.4.
2019
18.30 Uhr

Atrium der Österreichischen Beamtenversicherung

1010 Wien, Grillparzerstraße 14/Ecke Landesgerichtsstraße

Mag. Christian Felber (Autor und Initator des Projekts "Die Gemeinwohl-Ökonomie")

Johannes Gutmann (Unternehmer und Geschäftsführer von Sonnentor) angefragt / 

Mag.Manuela Raidl-Zeller (Geschäftsführerin von Sonnentor)

Aleksandra Pawloff (Autorin und Fotografin)

Mag.Marie Ringler MBA (Geschäftsführerin und Regionaldirektorin von Ashoka Österreich sowie Zentral- und Osteuropa, dem weltweit größten Unterstütungsnetzwerk für Social Entrepreneur)

Heinrich Staudinger (Unternehmer und Geschäftsführer GEA sowie Waldviertler)

Eine Studie an mehr als 200 Unternehmen mit Gemeinwohl-Bilanz wurde im Februar 2019 in Wien vorgestellt, einem Instrument, mit dem eine werteorientierte, ethnische Wirtschaftsweise gefördert wird. Die Gemeinwohl-Ökonomie bezeichnet ein Wirtschaftssystem, welches auf das Gemeinwohl fördernden Werten aufgebaut ist, versteht sich auf politischer Ebene als ein Motor für rechtliche Veränderung mit den zentralen Werten Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung, auf wirtschaftlicher Ebene als eine lebbare und konkret umsetzbare Alternative für Unternehmen verschiedener Größen und Rechtsformen und auf gesellschaftlicher Ebene als eine Initiative der Bewusstseinsbildung für einen Systemwandel, die auf dem gemeinsamen, wertschätzenden Tun möglichst vieler Menschen beruht. Die Gemeinwohlorientierung des Wirtschaftens gibt der Marktwirtschaft und dem Erfolgsstreben von Unternehmen zusätzlich eine ethisch fundierte Werte-Orientierung, ökonomische und gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen stehen in einem notwendigen Bedingungsverhältnis zueinander. Sozial-ökologische Pionier-Unternehmen müssen für den Selbsterhalt Gewinne erwirtschaften, lehnen zugunsten sozial-ökologischer Prinzipien eine Gewinnmaximierung jedoch ab, wodurch für diese Unternehmen der Gewinn seine Bedeutung als Erfolgstreiber verliert und zu einem Erfolgsindikator neben anderen wird. Unternehmen werden zunehmend nicht mehr nur nach ihren finanziellen Gewinnen bewertet, globale Verantwortung und immaterielle Werte wie Achtung der Menschenrechte, Umweltbelange oder soziale Gerechtigkeit spielen eine immer größere Rolle. Unternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie gelten als Pioniere dieser menschenwürdigen und nachhaltigen Wirtschaftsweise, wobei ihre Gemeinwohl-Bilanz einen Überblick gibt, wie sich diese bessere Welt gestalten lässt. Der Finanzsektor hat sich gegenüber der Realwirtschaft in den letzten Jahren und Jahrzehnten überproportional entwickelt, das Finanzkapital scheint im Überfluss vorhanden zu sein. Genossenschaften für Gemeinwohl haben die Vision eines nachhaltigen Wandels der Finanzwirtschaft, in der Geld nicht länger der Gewinnmaximierung dienen, sondern wieder zu einem Mittel des Gemeinwohls gemacht werden soll. 

 

Gemeinsam mit unseren Gästen möchten wir verschiedenste Fragestellungen gemeinsam vertiefen: Welche aktuellen Erfolge und Entwicklungen sind bei der Gemeinwohl-Ökonomie festzustellen? Welcher Veränderungsbedarf besteht auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene? Wie kann der individuelle Beitrag zum Gemeinwohl definiert und bewertbar gemacht werden? Wie kann der Zweck des Wirtschaftens und die Bewertung von Unternehmenserfolg auch anhand gemeinwohl-orientierter Werte definiert werden? Wie können sowohl Unternehmen als auch Bildungseinrichtungen oder Gemeinden Pioniere einer zukunftsfähigen Welt sein und entsprechend bilanzieren? Wie kann das Ziel, ein gutes Leben für alle Lebenswesen und den Planeten, durch ein gemeinwohl-orientiertes, ethisches Wirtschaftssystem unterstützt und in Europa breitflächig etabliert werden? Wie ist der ergebnisoffene, partizipative, lokal wachsende Prozesse mit globaler Ausstrahlung zu verstehen? Welche Auswirkungen haben wirtschaftliche Aktivitäten heute und morgen auf die allgemeine Lebensqualität? Wird die Menschenwürde geachtet? Wird soziale Gerechtigkeit gefördert? Wird ökologische Nachhaltigkeit sichergestellt? Wie transparent, solidarisch und demokratisch werden die unternehmerischen Ziele erreicht? Wie orientiert die Gemeinwohl-Ökonomie Unternehmen und Wirtschaft auf ethisch fundierte Werte? Wie werden diese Werte explizit in unternehmerische Entscheidungen eingeführt? Wie wird dieser Bewusstseinswandel als die Voraussetzung für eine nachhaltige Wirtschaft ermöglicht? Was erfordert die Veränderung der ego-zentrischen Wirtschaftsideologie durch ethik-zentrische Entscheidungen und Geschäftsmodelle? Wie können praktische und institutionelle Voraussetzungen für das gemeinwohl-orientierte Wirtschaften hergestellt werden? Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Geldsystem und dem gesellschaftspolitischen Ziel der Gemeinwohlorientierung? Wie kann die Geldwirtschaft am Gemeinwohl ausgerichtet werden? Wie kann ein zivilgesellschaftlicher Prozess zur Stärkung von Wissen, Urteilskraft, Dialogfähigkeit, Demokratiekompetenz unterstützt werden? Welcher Finanz-, Bildungs- oder Demokratiedienstleistungen bedarf es dazu? Wie wird das Ziel, Geld soll für die Menschen da sein, nicht umgekehrt, erreicht?

Aus organisatorischen Gründen wird höflich um Anmeldung(en) per Mail unter doebling@bsa.at gebeten.